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auf der Homepage der Otto Friedrich Bollnow-Gesellschaft e.V.

Die Gesellschaft wurde 2004 in Tübingen zur Verbreitung und Pflege von Bollnows Werk gegründet. Sie versteht sich als internationale wissenschaftliche Gesellschaft und ist als gemeinnützig anerkannt. 
Ihr gehören rund 90 Mitglieder an.

Bollnow kennenlernen
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Die Anfänge

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Anklam

Otto Friedrich Bollnow wird 1903 in Stettin, dem heutigen Szczecin (Polen) geboren. Vater und Großvater sind Volks­schul­lehrer. Der junge Bollnow besucht das humanistische Gym­nasium in Anklam (Vorpommern). Als Student geht er zunächst nach Berlin, dann nach Greifswald und Göttingen. Sein wissenschaftlicher Werdegang führt über die theoretische Physik und Mathematik schließlich zur Philosophie und Pädagogik.

Von der Physik zur Philosophie

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Fink, Levinas und Bollnow in Davos 1929

1925 wird Bollnow beim Göttinger Atomphysiker Max Born promoviert. Er hört den Dilthey-Schüler Herman Nohl, den Lebensphilosophen Georg Misch und den Logiker Josef König („Göttinger Kreis“). Bollnow nimmt regen Anteil an Jugendbewegung und Reformpädagogik und arbeitet mit Paul Geheeb und Martin Wagenschein in Oberhambach. Nach dem Erscheinen von Martin Heideggers „Sein und Zeit“ schreibt sich Bollnow in Freiburg ein. Er wirkt mit an der Davoser Konferenz (1929) und habilitiert sich schließlich bei Misch zur „Lebensphilosophie F. H. Jacobis“ (1931).

Der Privatdozent in Göttingen

Georg Misch

Als Privatdozent liest Bollnow u.a. zu Brentano, Kant, Kierkegaard und Schelling. Auf Veranlassung Mischs (Abb.) und Nohls gibt Bollnow die pädagogischen Schriften Wilhelm Diltheys heraus und schreibt eine lange maßgebliche Einführung in Diltheys Philosophie. Wie seine Lehrer spricht sich Bollnow 1933 zunächst für eine „natio­nalpäd­agogische“ Lesart der geistes­wissen­schaft­lichen Tradition aus. Bollnow unterstützt im gleichen Jahr auch das Bekennt­nis der Professoren zum National­sozialismus (gemeinsam mit Heidegger, Gadamer, Ritter u.a.). Die Partei hält Boll­nows „unpolitische“, „relativistische“ Einstellung indes für ungeeignet. Seine Lehr­stuhl­ver­tretungen und Professuren in Göt­tingen, Gießen und Kiel haben kei­nen Bestand. Bollnow wird spät Parteimitglied (1940) und schließlich als Soldat einberufen. Wo immer möglich, führt er seine Studien zur Hermeneutik auch in den Kriegsjahren fort.

Neuanfang in Mainz

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Die Sammlung

1946 erhält Bollnow eine ordentliche Professur in Mainz. Seine in den Kriegsjahren begon­nenen Arbeiten, seine Kritik der Existenz­philosophie und Fundamental­ontologie Heideggers („Das Wesen der Stim­mungen“, 1941) und seine Beiträge zum fran­zösischen Exi­stenzia­lismus (Albert Camus, Jean-Paul Sartre) werden einem breiten Publikum zugänglich. Bollnow wird zum Mitbegründer wichtiger Zeitschriften der Philosophie („Zeitschrift für philosophische Forschung“, mit Gregori Schischkoff, Werner Jaeger, Bertrand Russell, Wilhelm Weischedel) und Pädagogik („Die Sammlung“, mit Herman Nohl, Erich Weniger und Wilhelm Flitner). Bollnows Schriften finden international Beachtung.

Die Spranger-Nachfolge

Eduard Spranger

Mit den Fünfziger Jahren gehört Bollnow zu den ersten Namen der Philosophie. Er nimmt einen Ruf auf den Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik in Tübingen an, wo er 1953 die Nachfolge Eduard Sprangers (Abb.) antritt. Boll­nows „Überwindung des Existenzialismus“ mit dem Titel „Neue Geborgen­heit“ (1955) erscheint und wird zu einem Schlüsselwerk der Nach­kriegs­­philosophie in Deutschland. In Tübingen entfaltet Bollnow zugleich große pädagogische Wirkung. Er legt seine pädagogischen Hauptschriften über die „unstetigen Formen der Erziehung“ (1959) und über die „pädagogische Atmosphäre“ (1964) vor.

Tübingen als Zentrum hermeneutischer Philosophie

Bollnow in seinem Arbeitszimmer

Tübingen wird nach Bonn (“Rothacker-Schule“) und Heidelberg („Gadamer-Schule“) zu einem Mittelpunkt hermeutischen Philosophierens. Rufe an andere Universitäten schlägt Boll­now aus. In den späten Sechziger und Siebziger Jahren mehren sich Einsprüche aus den Reihen der Frankfurter Kritischen Theorie und der „realistischen“, kritisch-rationali­stischen Erziehungswissenschaft gegen die „geisteswissenschaftliche“ Tradition. Boll­now führt dies zu einer Besinnung auf die Unverzichtbarkeit des hermeneutischen Einsatzes in Philosophie und Wissenschaft („Prinzip der offenen Frage“). In Asien und Südamerika, aber auch in der Philosophie und Pädagogik des europäischen Auslands wird Bollnow weiter nachhaltig rezipiert, so etwa in Finnland, Frankreich und Griechenland.

Der Bollnow-Kreis

Der Tübinger Bollnowkreis

Bollnow ist Grün­dungsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE); ihm folgen u.a. Hans Scheuerl, Hans Thiersch, Wolfgang Klafki und Dietrich Benner. Mit der Arbeit über „Mensch und Raum“ (zuerst 1963) wird Bollnow über die Fachgren­zen hinaus bekannt und zum frühen Vorläufer des spatial turn in den Sozialwissenschaften. Am Lehr­stuhl Boll­nows entstehen wichtige Arbeiten zur philosophischen und päd­agogischen Anthropo­logie, zur Geschichts- und Kunstwissen­schaft, zu Phänomeno­logie, Pragmatismus und Herme­neutik. Ein „Bollnow-Kreis“ bildet sich, in welchem die Kollegen und Mitarbeiter Bollnows je eigene philosophische und pädagogische Fragestellun­gen verfolgen.

Außergewöhnliche internationale Wirkung

Vortragsreise nach Japan

Bollnows Tübinger Hörerschaft kommt schließlich aus aller Welt. Seine Texte werden in zahlreiche Sprachen übersetzt, pädagogische Schriften ebenso wie seine Mainzer Studien und die zweibändige „Philosophie der Erkenntnis“ (1970, 1975). Zugleich entwickelt Bollnow eine rege Vortragstätigkeit, die auch nach seiner Emeri­tierung im Jahr 1970 anhält. Schüler und Kolle­gen Bollnows begründen eine eigene „Bollnow-Schu­le“ im japanischen Kyoto. Bollnow wird u.a. Ehrendoktor der Université de Strasbourg und der Tama­gawa Daigaku in Tokyo. Die letzten Vortragsreisen führen ihn im Alter von über 80 Jahren nochmals nach Korea (Seoul 1984) und Japan (Osaka 1986).

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Letzte Lebensjahre und Vermächtnis

Otto Friedrich Bollnow

Im hohen Alter wendet sich Bollnow erneut der Begründung einer „Hermeneu­tischen Philosophie“ und der Auseinandersetzung mit seinem Göttinger Mentor Misch zu. Seine Spätphilosophie stellt er im „Tübinger philosophi­schen Kolloquium“ zur Diskussion. Das Kolloquium das wissenschaftliche Gespräch nach Bollnows Tod 1991 am Philosophi­schen Seminar der Universität fort. Auf zwei Bollnow-Tagungen wird der Wunsch nach einer regelmäßigen Diskussion von Bollnows philo­sophischem und päd­agogischen Werk artiku­liert, nach der Vorbereitung einer Studien- und Werkausgabe Bollnows, und nach der Ent­faltung von Boll­nows Spätphilosophie. 2004 wird dazu die Otto Friedrich Bollnow-Ge­sellschaft gegrün­det, deren Vorsitzender und treibende Kraft der Bollnow-Schüler Friedrich Kümmel wird.